Meine Oma

Jetzt ist es irgendwann zwischen 5h und 6h, mitten in der Nacht. Diese Nacht habe ich 3h geschlafen. Viel zu wenig! Aber ich krieg meinen Kopf nicht so frei, dass ich schlafen kann

Gestern war ich rundum glücklich! Kaum bin ich aufgewacht, hatte ich schon eine Guten-Morgen-SMS von Chris auf meinem Handy. Kurze Zeit später eine liebe Offline-Message von meinem Kleinen auf dem PC. Im Gefrierschrank war überraschenderweise eine Pizza für mich von Micha. Holger hat mir/uns aus der Türkei etwas Sonne vorbeigeschickt. ... Was will ich mehr?

Gegen 15h ist mir dann der Gedanke gekommen, was heute noch passiert bzw. passieren kann, um mich mal wieder aus meiner kleinen glücklichen Welt zu reißen... Hab ihn aber gaaaaanz schnell wieder verworfen!!!

Aber zu früh gefreut! 1/4h später ruft mein Vater an: Meine Oma ist beim spzieren gehen auf der Straße gestürzt und wurde mit Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus eingeliefert, soll heute noch operiert werden! So stand ich dann kurz nach 16h in der chirurgischen Ambulanz des Wolfenbüttler Krankenhauses und lauschten den Worten des Arztes. Im Prinzip ist eine Operation am Oberschenkelhals nichts dramatisches: ein neues Hüftgelenk und fertig! Aber meine Oma hätte irgendwelche Antikörper im Blut, was die Operation verzögert, denn dieses Blut sei zur Zeit hier nicht ausreichend vorrätig und müsse "bestellt" werden. Somit steht die Operation erst Dienstag auf dem Plan.

Dann durften wir nun endlich zu meiner Oma. Sie lag ruhig in ihrem Bett in der Notaufnahme und hatte erst ein paar Probleme, wer wir wären. Aber dann schien sie sichtlich erleichtert zu sein, dass wir da waren. Plötzlich fing sie an, sich die Krankenhaus-Kleidung auszuziehen und wollte aufstehen. Sie war kaum zu bändigen! So bekam sie ein Beruhigungsmittel, was auch nicht wirklich Erfolg brachte - und schließlich Gitter an ihr Bett. Doch das Chaos war nicht perfekt genug Ihre Atemnot wurde schlimmer, Herz/Blutdruck waren im Ar***, schließlich wurden ihre Panik-Attacken (um es mal so auszudrücken) als Anzeichen einer Gehirnblutung gedeutet, die sich aber nicht bestätigte! Wie gesagt, die Operation ist jetzt für Dienstag angesetzt, bis dahin liegt sie auf der Intensiv-Station...

Und wie geht es mir? Ich bin mal wieder ein nervliches Wrack! Aber das ist sicherlich kein Wunder, denn ich bin ja mehr bei meiner Oma (dh meinen Großeltern) aufgewachsen als bei meinen Eltern. Und sie dann da so hilflos und orientierungslos liegen zu sehen. Und dann stellt sich ja noch die große Frage, wie es (nach der OP) weitergeht...

So habe ich 2 SMS an 2 Menschen geschickt, die mir recht nahe stehen: Alex (guter Freund) und Chris (hoffnungslos in mich verliebt?!) und 2 sehr unterschiedliche Antworten bekommen: Der eine hat sofort versucht, mich zu trösten, damit ich nicht so tief falle und schnell wieder auf die Beine komme...den anderen schien es leider nicht wirklich zu interessieren, wahrscheinlich weil er (und all seine Kollegen) heute ein "unmoralisches Angebot" bekommen hat.

So. Ich werde jetzt erstmal wieder ins Bett gehen. Versuchen noch etwas zu schlafen. Vielleicht gelingt es mir ja?!


Nachtrag (9:00h):
Während ich diese Zeilen geschrieben habe, ist meine Oma im Krankenhaus gestorben Die beiden "Jungs" haben wiedergenau so unterschiedlich reagiert wie gestern: Einer hat mich gleich am Telefon 1/2h getröstet...Der andere eine SMS geschickt, er gehe jetzt tauchen und melde sich ja dann heute abend wieder bei mir...

3.6.06 05:19

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Torsten (23.6.06 22:53)
Herzliches beileid

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